Ambient Intelligence: Aufbruchstimmung in Europa
Auf ihrer diesjährigen Jahrestagung
"INFORMATIK 2004" beschäftigte sich die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) schwerpunktmäßig mit den Themen "Ambient Intelligence" und "Ubiquitous Computing". Sie verfolgen die Vision der miniaturisierten, digital vernetzten, miteinander kommunizierenden und umgebungssensitiven Mikrochips, die nahezu unsichtbar in den Alltag integriert werden.
"In Europa wird jetzt massiv in die Forschung in Ambient Intelligence investiert", sagte GI-Präsident Matthias Jarke. Im derzeit weltweit größten Projekt WearIT@Work etwa entwickelt und erprobt ein europäisches Konsortium unter Leitung der Universität Bremen seit Mitte 2004 Lösungen für Wearable Computing in Arbeitskleidung und Arbeitsgeräten, speziell in der Auto- und Flugzeugindustrie und im Gesundheitswesen. Das Projekt mit 36 Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft aus 15 Ländern hat ein Finanzvolumen von 24 Millionen Euro. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat auf Basis eines
gemeinsamen Strategiepapiers von GI und VDE ein Schwerpunktprogramm "Organic Computing" beschlossen. Sein Ziel ist es, die wachsende Komplexität der uns umgebenden Systeme durch Mechanismen der Selbstorganisation zu beherrschen und an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren.
"Ubiquitous Computing" und "Ambient Intelligence" repräsentieren jeweils unterschiedliche volkswirtschaftliche Entwicklungsstrategien, die zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Das amerikanische Konzept des "Ubiquitous Computing" geht vom Computing aus, das in den Alltag integriert werden soll. Es rückt die IT-Grundtechnologien in den Vordergrund. Die Europäische Union hingegen verfolgt das Konzept der "Ambient Intelligence", das unsere Lebens- und Arbeitsumgebung mit intelligenten Funktionen erweitert, also etwa mit Elektronik und vernetzten Softwareagenten. Damit soll auch die europäische Industrie in ihren Stärken weiterhin wettbewerbsfähig erhalten werden. Die Europäische Kommission fördert den Bereich in ihrem 6. Rahmenprogramm mit insgesamt 3,63 Milliarden Euro. Bis 2010 wollen europäische Forscher die ersten Prototypen zur Reife bringen. Bis 2015 sollen sie die Serienreife erreichen.
Wenn Gegenstände autonom Informationen austauschen und auf Ressourcen im Internet zugreifen können, muss allerdings auch die Privatsphäre des Einzelnen gewahrt bleiben.
"Die Technologie muss datenschutzkonform gestaltet werden", fordert Dr. Johann Bizer, stellvertretender Landesdatenschützer in Schleswig-Holstein. Auch Jarke appelliert an Hochschulen und Unternehmen "von Anfang an die Technologien so zu entwickeln, dass sie eine hohe Akzeptanz bei den Anwendern finden können."
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist eine gemeinnützige Fachgesellschaft zur Förderung der Informatik in all ihren Aspekten und Belangen. Gegründet im Jahr 1969 ist die GI mit ihren heute rund 24.500 Mitgliedern die größte Vertretung von Informatikerinnen und Informatikern im deutschsprachigen Raum. Die Mitglieder der GI kommen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Lehre und Forschung.
Bei Abdruck Belegexemplar erbeten. Vielen Dank!
siehe auch:
Materialien Pressekonferenz zu Ubiquitous Computing
(ZIP, 981 kb)
Hintergrundpapier Ubiquitous Computing (PDF, 156 kb)
Thesenpapier Dr. Werner Weber, Leiter der Forschungsabteilung "Emerging Technologies", Infineon (PDF, 180 kb)
Thesenpapier Prof. Dr. Dr. h.c. Kurt Rothermel, Universität Stuttgart (PDF, 149 kb)
Thesen Papier Dr. Johann Bizer, Stellvertetender Landesbeauftragter für Datenschutz, Schleswig-Holstein (PDF, 170 kb)
Lebenslauf Prof. Dr. Matthias Jarke
(PDF, 158 kb)
Lebenslauf Prof. Dr. Peter Dadam (PDF, 137 kb)
Pressemitteilung "Ambient Intelligence: Aufbruchstimmung in Europa" (PDF, 140 kb)
GI-Jahrestagung
"INFORMATIK 2004"
22. September 2004, Cornelia Winter, Tel. 0228/302-147
Gesellschaft für Informatik e.V.
Ahrstr. 45
53175 Bonn
Tel 0228/302-145 (Geschäftsstelle)
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