Das Nachrichten-Archiv der GI
Vertrauen in die Informatik - Vertrauen in die Unversehrtheit der Privatshäre
GI-Präsident Stefan Jähnichen macht sich in der achten Vorstandskolumne Gedanken über den Zusammenhang von Softwarequalität und Vertrauen in Informatikprodukte.
An Informatikanwendungen kommt niemand mehr vorbei. Darum muss die Qualität der von Informatikerinnen und Informatikern entwickelten Software höchsten Ansprüchen genügen. Darüber hinaus müssen wir sicherstellen, dass unsere Softwareprodukte vertrauenswürdig sind und keine nicht erkennbaren Hintertürchen haben. Denn nur durch gute und vertrauenswürdige Produkte lässt sich Vertrauen, Akzeptanz und ein positiver Ruf der Informatik schaffen.
Dass Informatik überall „drin“ ist, das ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Ebenso bekannt ist, dass Software – denn Software macht die erlebbare Informatik heute aus – häufig nicht zuverlässig funktioniert, abstürzt und undurchschaubar für den „normalen“ Anwender funktioniert. Dennoch nutzt ein Großteil der Menschen die Informatik täglich, im Beruf, im Privatleben, und oft, weil es garnicht mehr ohne Informatik geht.
Wir sind also inzwischen im Alltag häufig von Informatik regelrecht abhängig. Umso größer ist die Verantwortung der Informatikfachleute, zuverlässige und sichere Software zu bauen. Gerade jetzt mehren sich allerdings die Stimmen, die Zweifel an der Qualität unserer Produkte haben und selbst, oder gerade auch, der Chaos Computer Club fordert vermehrte Anstrengungen hin zur "Software Liability".
Dem muss sich die GI nicht nur anschließen - im Gegenteil, wir fordern und fördern schon lange eine bessere Ausbildung für unsere Informatiker - von der Schule zur Wissenschaft und in die Betriebe hinein, in denen Informatikprodukte hergestellt oder in denen mit Informatik Produkte quasi veredelt werden.
Wichtig ist dabei nicht nur die Verbesserung der Produkte, damit sie im Wettbewerb bestehen und besser verkauft werden können, noch wichtiger ist das Vertrauen in die Produkte, in ihre Sicherheit und Zuverlässigkeit. Dies aber wiederum lässt sich nur schaffen, indem möglicherweise fehlerhafte Produkte verbessert werden – oder noch besser – indem bei der Entwicklung neuer Software von Anfang an Zuverlässigkeit und Sicherheit höchste Priorität haben.
Gerade durch die Abhängigkeit unserer Gesellschaft von Informatik, vom zuverlässigen Funktionieren des Internet und von gesetzeskonformen Abläufen im Internet müssen wir durch unsere Fachkompetenz das Vertrauen in Informatik und ihre Produkte und die Unversehrtheit der Privatsphäre der Menschen bei der Nutzung unserer Technologien schaffen und bewahren- "Trust and Privacy"! Die Nutzung des Internets und seiner Software setzt großes Vertrauen voraus. Dabei ist der Erhalt der Privatsphäre ein hohes Gut, das durch klare gesetzliche Regelungen geschützt werden muss, und auch nicht durch staatliche Stellen unterlaufen werden darf.
Dabei kommen zwei Komponenten zum Tragen: die erste ist seit langem bekannt und bezieht sich vor allem auf die technische Zuverlässigkeit unserer Produkte. Im Vordergrund steht Software, ein quasi immaterielles Produkt, dessen Funktionieren für die meisten Menschen ein Buch mit sieben Siegeln ist und wohl auch bleiben wird. Umso wichtiger sind dann aber Gütesiegel, die eine verlässliche Auskunft über die Qualität eines Softwareprodukts geben. Die gibt es natürlich, aber ich bezweifle, dass der Käufer einer Waschmaschine weiß, ob die steuernde Software einem Qualitätssiegel unterliegt. Bei der Waschmaschine ist das vergleichsweise unerheblich. Bei der Nutzung einer Bankensoftware aber wohl eher nicht, und bei sicherheitskritischen Produkten wie zum Beispiel der Steuerungssoftware von Flugzeugen oder Autos ist ein Qualitätssiegel unvermeidlich. Wir treffen hier auf die Forschungsfrage meines Fachgebiets, der Softwaretechnik - die Steigerung der Produktivität der Entwickler bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität der Produkte!
Schwierig genug, aber die zweite Komponente erweist sich als noch ungemein schwerer. Ich bezeichne sie gern als die Unverletzlichkeit eines Softwareprodukts und gebe als Beispiel die Steuerungssoftware einer elektronischen Bremse. Niemand möchte an dieser Software eine (unbekannte) Funktionalität finden, die es erlaubt, die Bremse nicht nur von mir, sondern von einem Dritten bedienen zu lassen. Der Einwand, dass dieser Dritte ja auch ein automatisches Bremssystem sein kann zeigt, dass die Spanne von "erlaubt" bis "verboten" bisweilen nur höchst diffizil beschreibbar ist. Sie muss dem Benutzer gegenüber aber sehr transparent beschrieben werden, wenn er denn Vertrauen in sein Bremssystem und dessen vielleicht manchmal ungewohntes Verhalten haben soll.
Das Beispiel beleuchtet ein spezifisches Problem von Informatik und speziell von Software, die ja beliebig schnell und oftmals unbemerkt geändert werden kann, ohne dass dazu ein "Bundestrojaner" bemüht werden muss. Software ist der Werkstoff des 21. Jahrhunderts, und der Umgang mit diesem Werkstoff bedarf einer ungewohnten Sorgfalt und erfordert Kenntnisse, die über reines "Programmieren" weit hinausgehen. Dafür braucht es gut ausgebildete Informatikfachleute – wie wir niemals müde werden zu betonen, da es noch immer keine Selbstverständlichkeit zu sein scheint. Wie der Fall des anscheinend stümperhaft programmierten „Bundes- oder Bayerntrojaners“ zeigt.
(Oktober 2011)
informatiCup 2012 - GI-Studierendenwettbewerb gestartet!
Richtig Einkaufen - Sonnenfinsternisse - Geo Caching - Millenniumsziele Das sind die Stichwörter zum Aufgabenspektrum, welches seit heute online auf <www.informatiCup.de> zu finden ist.
Der informatiCup 2012 der GI richtet sich an eingeschriebene Studierende (außer Promotionsstudierende) aller Semester und aller Fachrichtungen an Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er findet in diesem Jahr zum siebten Mal statt. Die Aufgaben haben es in sich: Stellen Sie ein Team aus max. vier Personen zusammen, gerne auch interdisziplinär, denn die Aufgaben sind nicht gerade eindimensional. In diesem Jahr gibt es erstmals auch eine Sonderaufgabe des Imagine Cups. Entscheiden Sie sich für eine der Aufgaben und melden Sie sich zur Teilnahme bis zum 30.11.2011 an. Die Endrunde findet für die besten Teams am 23. März 2012 im Rahmen der Informatiktage 2012 in Bonn statt.
INFORMATIK 2012: Call for Workshops veröffentlicht
Nach der Jahrestagung ist vor der Jahrestagung .... Nach der erfolgreichen INFORMATIK 2011 in Berlin mit mehr als 1.000 Teilnehmer/inne/n haben die Vorbereitungen für die gemeinsame Jahrestagung von GI und GMDS (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie) begonnen. Vom 17.-21. September 2012 findet sie unter dem Motto "Was bewegt uns der/die Zukunft" in Braunschweig statt. Der Call for Workshops findet sich hier.
Das neue Informatik Spektrum (Heft 5/ Oktober 2011) zum Einlesen
GI trauert um Steve Jobs
Steve Jobs ist tot! Die Nachricht hat uns heute morgen erreicht, mitten in der Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen, Freunden und all seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Steve Jobs war ein Idol für unsere Jugend und hat mit seinen Visionen die Welt verändert. Aber er war weit mehr als nur ein Visionär und Forscher. Er vereinigte in seiner Person auch noch die Eigenschaften eines großen Erfinders und herausragenden Unternehmers. Seine Produkte waren technisch revolutionär, vor allem aber trafen sie die Bedürfnisse seiner Kunden weltweit, und vor allem immer zum richtigen Zeitpunkt. Es waren nicht nur die technischen Produkte, sondern vor allem auch die Geschäftsideen wie zum Beispiel itunes, das neben MP3 die gesamte Musikwirtschaft revolutioniert hat.
Als Informatiker wird er uns sicher unvergessen bleiben.
Gesellschaft für Informatik ernennt vier neue Fellows
Zum zehnten Mal hat die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) verdiente Persönlichkeiten aus der Informatikszene zu „GI-Fellows“ ernannt. GI-Fellows zeichnen sich durch herausragende Beiträge technisch-wissenschaftlicher Art zur Informatik aus. Es können aber auch Personen gewürdigt werden, die sich um die Gesellschaft für Informatik oder um die Informatik im Allgemeinen verdient gemacht haben.
Im Jahr 2011 hat das Auswahlkomitee unter der Leitung des ehemaligen GI-Präsidenten Prof. Dr. Matthias Jarke vier Persönlichkeiten ausgewählt, die auf der größten Informatikkonferenz im deutschsprachigen Raum, der INFORMATIK 2011, am 5. Oktober 2011 in Berlin zum GI-Fellow ernannt worden sind:
Prof. Dr. Susanne Albers, Humboldt-Universität zu BerlinProf. Dr. Gregor Engels, Universität PaderbornProf. Dr. Ulrich Furbach, Universität Koblenz-LandauProf. Dr. Heinrich Reinermann, Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer
Weitere Informationen zum GI-Fellowprogramm finden Sie unter www.gi.de.
Peter Pepper eröffnet Tag der Informatik in Berlin
Am 5. Oktober hat Professor Peter Pepper von der TU Berlin die INFORMATIK 2011 eröffnet. Er begrüßte Jörg Steinbach (Präsident der TU Berlin), Knut Nevermann (Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung) und Stefan Jähnichen (GI-Präsident), bevor der Tag der Informatik mit Vorträgen begann. Das Programm des Tags der Informatik findet sich hier.
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